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Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 (RÄG 2014): Auf die Größe kommt es an

News vom 25.3.2016

 

Das RÄG 2014 ist als Folge der Umsetzung der EU-Bilanzrichtlinie zu sehen, die die Harmonisierung der nationalen Rechnungslegung in der Europäischen Union zum Ziel hat und bringt Neuerungen in der nationalen Rechnungslegung ,. Die Änderungen sind erstmalig auf Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen.

Neuerungen bei den Größenklassen

Neben einer geringfügigen inflationsbedingten Anpassung der Größenklassen wurde eine neue Größenklasse für Kleinstkapitalgesellschaften eingeführt.

Neue Größenklassen für Kleinstkapitalgesellschaften (RÄG 2014)

Wenn zwei dieser drei Merkmale an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen erfüllt sind, kommt es im folgenden (dritten) Geschäftsjahr zur Anwendung der Rechtslage der neuen Größenklasse. Die neuen Größenklassen sind bereits auf Geschäftsjahre 2016 anzuwenden, dh die Beobachtungszeiträume liegen vor dem Jahr 2016.

Beispiel: Wenn eine Kapitalgesellschaft in den Jahren 2014 und 2015 zwei der oben angeführten Kleinst-Schwellenwerte nicht überschritten hat, können bereits für das Geschäftsjahr 2016 die Rechtsfolgen für die Kleinstkapitalgesellschaft zur Anwendung kommen.

Für Kleinstkapitalgesellschaften sind wesentliche Erleichterungen vorgesehen, wie der Entfall des Anhangs, wenn die Angaben gem 237 Abs 1 Z 2 und Z 3 UGB (=Haftungsverhältnisse und Angaben über Vorschüsse und Kredite an Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates) unter der Bilanz gemacht werden.

Die Schwellenwerte des § 246 UGB für die größenabhängige Befreiung von der Konzernaufstellungspflicht wurden ebenfalls geringfügig angepasst.

Einführung neuer Bilanzierungsgrundsätze

Durch das RÄG wurden verschiedene Bilanzierungsgrundsätze neu in das Gesetz aufgenommen. Diese kodifizierten Grundsätze reichen vom Grundsatz des wirtschaftlichen Gehalts, dem Grundsatz der Wesentlichkeit bis hin zum Grundsatz der verlässlichen Schätzung.

Bewertung von Rückstellungen

Es kommt zu einer Änderung bei der Bewertung von Rückstellungen, indem vorgesehen wird, dass Verbindlichkeiten und Rückstellungen mit ihrem Erfüllungsbetrag (bisher Rückzahlungsbetrag) anzusetzen sind. Diese Änderung hat zur Folge, dass bei der betragsmäßigen Schätzung und Bewertung
- künftige Preis- und Kostensteigerungen (zB bei Sachleistungs- und Sachwertverpflichtungen) berücksichtigt werden müssen und
- Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr in Zukunft mit einem marktüblichen Zinssatz abzuzinsen sind.

Herstellungskosten

Zukünftig besteht im Zusammenhang mit den Herstellungskosten eine Aktivierungspflicht (bisher Aktivierungswahlrecht) in Bezug auf angemessene Teile der Material- und Fertigungsgemeinkosten. Hier kam es zu einer Angleichung des UGB an das Steuerrecht.

Bilanzierung latenter Steuern

Der Ansatz latenter Steuern erfolgt mit dem RÄG auf Basis des bilanzorientierten „Temporary Konzept“. Demnach sind „temporäre Differenzen“, also Unterschiede zwischen den unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen Wertansätzen zu berücksichtigen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt ausgleichen, wobei es unerheblich ist, ob diese ergebniswirksam entstanden sind oder nicht.

Entsteht daraus insgesamt eine Steuerbelastung, wird wie bisher eine Rückstellung für passive latente Steuern angesetzt, bei einer Steuerentlastung werden nunmehr – mit Ausnahme bei kleinen Kapitalgesellschaften – aktive latente Steuern bilanziert (unter Ausweis in einem neuen, gesonderten Bilanzposten). Kleine Kapitalgesellschaften haben ein Aktivierungswahlrecht für aktive latente Steuern. Bei Ausübung dieses Wahlrechts zur Aktivierung der latenten Steuern durch kleine Kapitalgesellschaften ist auf das Stetigkeitsgebot zu achten, welches mit dem RÄG 2014 nun auch auf Ansatzwahlrechte ausgeweitet wurde.

Neue Definition der Umsatzerlöse

Zu beachten ist, dass die Umsatzerlöse anders als bisher in § 232 Abs 1 UGB gemäß § 189a Z 5 UGB idF RÄG derart definiert sind, dass anstatt nur typischer Erlöse nunmehr jede Art von Erlösen berücksichtigt werden müssen, die sich aus dem Verkauf von Produkten und der Erbringung von Dienstleistungen ergeben. Beispiele für Erträge, welche idR künftig zu Umsatz werden: Kantinenerlöse, Vermietung von Maschinen, Vermietung von Werkswohnungen, Beratungsleistungen eines Industrieunternehmens, Konzernumlagen, sowie die Leistungen nicht primär in der Eigenschaft als Gesellschafter erbracht werden. Diese tendenzielle Erhöhung der Umsatzerlöse kann in Einzelfällen nennenswerte Auswirkungen haben, da das Merkmal des Umsatzes bei den Größenklassen durch die Neudefinition und inhaltliche Ausweitung des Umsatzerlöses schneller überschritten werden kann.

Die Änderungen zum Ausweis aufgrund der neuen Definition der Umsatzerlöse sind im Rahmen der erstmaligen Anwendung auch zu den dargestellten Vorperioden zu berücksichtigen, dh die Vorjahresbeträge sind so zu berechnen, als wären die Bestimmungen nach der neuen Rechtslage schon im Vorjahr angewandt worden (§ 906 Abs 36 UGB).

Zuschreibungen

Die wesentlichste Änderung in diesem Bereich ist, dass im Falle einer späteren Werterholung künftig Zuschreibungen verpflichtend vorzunehmen sind. Das bisher bestehende Wahlrecht entfällt somit. In der Vergangenheit unterlassene Zuschreibungen sind daher im ersten Jahr der Anwendung (somit in 2016) zur Gänze ergebniswirksam zu erfassen. Die Übergangsbestimmungen sehen jedoch die Möglichkeit vor, derartige nachgeholte Zuschreibungen für steuerliche Zwecke einer außerbilanziellen Zuschreibungsrücklage zuzuführen und somit eine sofortige Steuerwirksamkeit dieser Erträge zu vermeiden. Im Gleichklang zu diesen steuerlichen Übergangsbestimmungen wurde auch im unternehmensrechtlichen Jahresabschluss die Möglichkeit eingeräumt, derartige Erträge aus nachgeholten Zuschreibungen unter den passiven Rechnungsabgrenzungsposten gesondert zu erfassen und somit erst zu einem späteren Zeitpunkt (bei Wertminderungen bzw spätestens bei Ausscheiden) zu realisieren. Sollte jedoch von der Bildung der passiven Rechnungsabgrenzung nicht Gebrauch gemacht werden, die steuerliche Zuschreibungsrücklage allerdings gebildet werden, liegt ein Sachverhalt für eine passive latente Steuer vor.

 

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.