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Top 3 Fragen zum KFZ-Sachbezug

News vom 21.4.2016

Wir haben die Top 3 Praxisfragen zum KFZ-Sachbezug für Sie zusammengefasst:

PKW-Sachbezug: Wie hoch ist der monatliche Sachbezug?

Ein Mitarbeiter der Umwelt GmbH bekommt zur beruflichen und privaten Nutzung ein Elektrofahrzeug (kein CO2-Ausstoß) zum Preis von € 35.000 inkl folgendem Zubehör zur Verfügung gestellt:

Business Paket  € 1.008 
eingebautes Navigationssystem Professional € 2.004 
Range-Extender (lädt die Batterie auf für Überbrückung von 50 km;
CO2-Ausstoß: 13 g/km 
€ 775 
Sitzheizung  € 336 

Der Mitarbeiter fährt privat mehr als 6.000 km.

Wie hoch ist der monatliche Sachbezug?

Lösung: Obwohl es sich um ein Elektro-Fahrzeug handelt, ist ein Sachbezug anzusetzen. Grund dafür ist der Range-Extender mit dem CO2-Ausstoß von 13 g/km! Laut Sachbezugswerteverordnung ist der Sachbezug nur dann € 0,00, wenn "für ein Kraftfahrzeug kein CO2 -Emissionswert vorliegt", was im konkreten Fall (CO2-Ausstoß: 13 g/km) nicht gegeben ist. 

Der monatliche Sachbezug beträgt daher 1,5 % von € 39.123,00 = € 586,85.

Halber oder voller Sachbezug?

Sachverhalt: Herr M (Außendienstmitarbeiter), wohnhaft mit seiner Lebensgefährtin (keine Kinder) in Graz, betreut Kunden in der Steiermark und in Kärnten. Hierfür stellt ihm der Dienstgeber einen Skoda Oktavia zur Verfügung, den Herr M auch privat nutzen kann. 

Für Reisen in die Firmenzentrale in Wien benützt Herr M den Zug. Für Privatfahrten nutzt Herr M sein eigenes Fahrzeug.  Für die Privatfahrten mit dem Skoda im Ausmaß von durchschnittlich 100 km pm führt Herr M ein Fahrtenbuch. In der Gehaltsabrechnung wird hierfür der halbe Sachbezug berücksichtigt. Im Rahmen einer GPLA entdeckt der Prüfer, dass dieses Fahrtenbuch nicht zeitnah zur jeweiligen Fahrt, sondern Ende des Jahres "nachgeschrieben" wurde und erhöht den halben auf den vollen Sachbezug, was dem Unternehmen für die 3 Prüfjahre insgesamt ca € 7.600 kostet. Der Dienstgeber überlegt nach der abgeschlossenen GPLA, den Lohnsteuermehrbetrag bei Herrn M zu regressieren.

Darf dies der Dienstgeber?

Lösung: Voraussetzung für den - grundsätzlich zulässigen - Lohnsteuerregress ist, dass der Dienstgeber die Interessen des Mitarbeiters bei der GPLA wahrt. Bei dem vorliegenden Sachverhalt (keine Fahrten Wohnung - Arbeitsstätte, lediglich 2 Personen mit Führerschein im Haushalt) ist die "Qualität" des Fahrtenbuchs nicht entscheidend für den Anspruch auf den halben Sachbezug. 

Ist plausibel, dass die Differenz aus den Gesamt-Km und den - aus den Reiseabrechnungen schätzbaren - betrieblichen Km einen Wert für die Privat-Km von bspw max 3.000 km pa ergibt, ist der halbe Sachbezug auch dann zu gewähren, wenn kein Fahrtenbuch vorliegt (siehe VwGH 24. 9. 2014, 2011/13/0074-5). 

Der Anspruch auf den halben Sachbezug ist somit trotz mangelhaften Fahrtenbuchs gegeben. Der Dienstgeber kann die Lohnsteuer nicht regressieren, da er die Interessen von Herrn M bei der GPLA nicht gewahrt hat.

Gelegentliche Privatnutzung des Poolfahrzeuges: Keine Pendlerpauschale und kein Pendlereuro?

Im Unternehmen sind 3 Poolfahrzeuge vorhanden, alle 3 Fahrzeuge sind E-Fahrzeuge ohne CO2-Ausstoß (Sachbezug: 0). 

Die Dienstnehmer dürfen gelegentlich mit den Poolfahrzeugen nach Hause fahren, insbesondere dann, wenn es aufgrund dringlicher Arbeiten sehr spät wird. 

Herr L nutzt diese Möglichkeit, mit dem Poolfahrzeug nach Hause zu fahren, meist an 3 Tagen im Monat

Mit Ausnahme dieser 3 Tage fährt Herr L an den restlichen 18 Arbeitstagen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro. Er gibt einen Pendlerrechnerausdruck in der Personalabteilung ab und erhält die volle (= 3/3) Pendlerpauschale und den vollen Pendlereuro

Da alle Poolfahrzeuge E-Fahrzeuge sind, wird am Lohnkonto kein Pkw-Sachbezug angesetzt. 

Ist das korrekt?

Lösung: Da Herr L für die Strecke Wohnung - Arbeitsstätte gelegentlich ein Poolfahrzeug nutzen kann, ist ein Sachbezug anzusetzen. Im konkreten Fall (ausschließlich E-Fahrzeuge) beträgt der Sachbezugswert 0 und scheint daher am Lohnkonto nicht auf. 

In § 16 Abs 1 Z 6 lit b EStG ist Folgendes geregelt (Hervorhebungen durch die Autoren): "Wird dem Arbeitnehmer ein arbeitgebereigenes Kraftfahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zur Verfügung gestellt, steht kein Pendlerpauschale zu."

Auch wenn kein Sachbezug am Lohnkonto aufscheint, hat der Dienstgeber Herrn L ein arbeitgebereigenes Kraftfahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung-Arbeitsstätte zur Verfügung gestellt. 

Entfällt nun für Herr L die Möglichkeit, eine Pendlerpauschale/einen Pendlereuro geltend zu machen? 

Diese Frage ist strittig und noch nicht ausjudiziert - unsere Empfehlungen:
- Um ein GPLA-Nachzahlungsrisiko zu minimieren, sollte der Dienstgeber in der Gehaltsabrechnung des Mitarbeiters vorerst - solange keine Rechtsprechung vorliegt - keine Pendlerpauschale/keinen Pendlereuro berücksichtigen.
- Der Mitarbeiter soll seinen Anspruch auf Pendlerpauschale/Pendlereuro bei seiner Arbeitnehmerveranlagung geltend machen. Dafür liegen uE gute Gründe vor. Da die oa Gesetzesstelle auf die dauernde Überlassung eines Firmen-Pkws zur Privatnutzung (und damit zur Fahrt Wohnung-Arbeitsstätte) abstellt und nicht auf eine gelegentliche Poolfahrzeugnutzung, ist es uE sachgerecht, den monatlichen Pendlerpauschale-/Pendlereuro-Anspruch wie folgt zu ermitteln: 

Gesamte Anzahl der monatlichen Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte abzüglich Anzahl der Fahrten mit dem Poolfahrzeug betreffend die Strecke Wohnung-Arbeitsstätte ergibt das Drittelausmaß, in dem Pendlerpauschale und Pendlereuro zustehen:

Beispiel

15 Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte insgesamt; davon 6 mit dem Poolfahrzeug, 9 mit dem eigenen Pkw - Pendlerpauschale/Pendlereuro steht uE für die 9 Fahrten mit dem eigenen Pkw im Ausmaß von 2/3 zu.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.