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Wissenswertes zur Arbeitszeit: Arbeitszeitmodelle (Teil 3)

News vom 18.8.2016

Neben dem Arbeitszeitausmaß und der Lage der Arbeitszeit, welche im Arbeitsvertrag vereinbart werden muss, kann weiters zwischen verschieden Arbeitszeitmodellen gewählt werden.

Fixzeitmodell

Beim Fixarbeitszeitmodell wird die Normalarbeitszeit in gleichen Teilen auf die einzelnen Tage der Woche verteilt. Das Grundmodell laut Arbeitszeitgesetz beträgt 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche.

 

Flexible Modelle

Neben dem Fixzeitmodell gibt das Arbeitszeitgesetz zahlreiche Möglichkeiten, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Den flexiblen Modellen liegt eine ungleiche Verteilung der Normalarbeitszeit zugrunde, das kann eine Umverteilung innerhalb einer Woche sein, zB kurzer Freitag, jedoch ist auch eine Schwankung der Wochennormalarbeitszeit möglich, zB eine Woche 45 Normalarbeitsstunden, gefolgt von einer Woche mit nur 35 Wochenstunden.

 

Wochendurchrechnung

Zur Erreichung einer längeren Freizeit (zB am Wochenende) kann vom Grundmodel der 5 Tage Woche zu je 8 Stunden abgegangen werden und die Arbeitszeit anders verteilt werden (zB kurzer Freitag). Dabei darf die tägliche Normalarbeitszeit an den einzelnen Tagen maximal neun Stunden betragen. Der Kollektivvertrag kann allerdings eine tägliche Normalarbeitszeit von bis zu 10 Stunden zulassen. Dieses Modell kann mittels Einzelvereinbarung mit dem Arbeitnehmer vereinbart werden. Die kurzen Tage müssen allerdings im Vorhinein feststehen und dürfen anlassbezogen nicht umverteilt werden. 

Bei diesem Modell bleibt die Normalarbeitszeit in der Einzelwoche fix nur die Normarbeitszeit pro Tag variiert.

 

Einarbeiten in Verbindung mit Feiertagen

Gemäß § 4 Abs 3 AZG kann die an Fenstertagen ausfallende Arbeitszeit innerhalb eines Zeitraumes von insgesamt 13 Wochen eingearbeitet werden. Mit dem Einarbeiten eines Werktages kann frühestens 13 Wochen minus 1 Tag, also frühestens 12 Wochen und 6 Kalendertage, vor dem Ausfallstag begonnen werden. Es kann auch zuerst der Ausfallstag konsumiert werden und erst danach eingearbeitet werden. In diesem Fall stehen auch hierbei nach dem Ausfallstag 12 Wochen und 6 Kalendertage zum Einarbeiten zur Verfügung. Ebenfalls möglich ist, einen Teil der ausfallenden Stunden vor dem Ausfallstag und einen Teil nach dem Ausfallstag einzuarbeiten. Allerdings bleibt der Höchstrahmen auch hierbei bei 13 Wochen, welche sich lediglich rasterartig verschieben. 

Werden mehrere Tage eingearbeitet, kann der Einarbeitungszeitraum für jeden dieser Tage eigenständig und damit unterschiedlich bestimmt werden.

Zweck dieser Regelung ist, dem Arbeitnehmer eine längere zusammenhängende Freizeit in Verbindung mit einem Feiertag zu ermöglichen. 

Das Einarbeiten kann zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowohl vor als auch nach den eingearbeiteten Tagen vereinbart werden. Die tägliche Normalarbeitszeit darf dabei 10 Stunden, die wöchentliche Gesamtarbeitszeit 50 Stunden nicht überschreiten. 

Der Zeitraum von 13 Wochen kann durch Kollektivvertrag bzw durch Betriebsvereinbarung, sofern der Kollektivvertrag die Betriebsvereinbarung ermächtigt, verlängert werden. Bei einem längeren Einarbeitungszeitraum als 13 Wochen, darf die tägliche Normalarbeitszeit allerdings nur 9 Stunden betragen. 

Beim Einarbeiten werden Normalarbeitsstunden anders verteilt, sodass geleistete Mehrstunden in den Wochen des Einarbeitens keine Mehr- bzw Überstunden darstellen, sondern anders verteilte Normalarbeitsstunden bleiben. 

Das Einarbeiten ist nur an Werktagen von Montag bis Samstag und innerhalb der bereits erwähnten gesetzlichen Höchstgrenzen möglich. An Samstagen ist das Einarbeiten bis 18 Uhr möglich.

Werdende und stillende Mütter

Für werdende und stillende Mütter bestimmt das Mutterschutzgesetz eine Obergrenze an Arbeitszeit von 9 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. Dadurch ist Einarbeiten für diesen Personenkreis nur sehr eingeschränkt möglich (bei erheblich unter 40 Stunden liegender kollektivvertraglicher Normalarbeitszeit). 

Jugendliche

Für Jugendliche ist Einarbeiten nach den Bestimmungen des Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetzes möglich. Dieses bestimmt, dass für Jugendliche innerhalb eines Zeitraumes von 7 Wochen (mit Betriebsvereinbarung 13 Wochen) die Normalarbeitszeit 45 Stunden betragen darf. Die Tagesarbeitszeit darf 9 Stunden nicht überschreiten. Eine kollektivvertragliche Erweiterung dieses Einarbeitungsmodells ist nicht möglich.

Krankenstand und Urlaub

Ist ein Arbeitnehmer an einem Tag, an welchem eingearbeitet wird, im Krankenstand oder auf Urlaub, müssen diesem, die in diesen Zeitraum fallenden Teile der Einarbeitungszeit, als erbracht gutgeschrieben werden.

Erkrankt der Arbeitnehmer während eines Zeitraumes, in dem der Konsum der eingearbeiteten Zeit geplant war (also an den Ausfallstagen), erhält er keinen besonderen finanziellen oder zeitlichen Ersatz für die eingearbeitete Zeit. Der eingearbeitete Tag gilt nicht als Krankenstandstag. Daraus ergibt sich, dass wenn die Einarbeitungszeit erst für die Zeit nach dem eingearbeiteten Tag vorgesehen ist, der Arbeitnehmer, der an diesem Ausfallstag krank ist, diesen Tag trotz Krankheit einarbeiten muss.

 

Zeitguthaben und Zeitschulden

Zeitguthaben

Wird das Dienstverhältnis nach der Einarbeitungsphase, aber noch vor Konsum der Gutstunden aufgelöst, verwandelt sich das Zeitguthaben mit der Beendigung in Überstunden. Das Guthaben ist in diesem Fall mit einem Zuschlag von 50% abzugelten, es sei denn, der Arbeitnehmer ist ohne wichtigen Grund vorzeitig ausgetreten. 

Zeitschuld

Endet das Dienstverhältnis nach dem Konsum der Gutstunden, jedoch vor dem Einarbeitungszeitraum, liegt eine Zeitschuld des Arbeitnehmers vor. Da es für die Rückverrechnung von Zeitschulden keine gesetzliche Regelung gibt, ist diese nach der „Sphärentheorie“ zu beurteilen.

Vereitelt daher der Arbeitnehmer durch zurechenbares Beendigungsverhalten (Arbeitnehmerkündigung, unberechtigter vorzeitiger Austritt, verschuldete Entlassung) wird die Rückverrechnung zulässig sein. 

Liegt die Zeitschuld allerdings in der Sphäre des Arbeitgebers, ist eine Rückverrechnung unzulässig.

 

Erweitertes Modell

Durch Kollektivvertrag kann das Durchrechenmodell durch einen längeren Einarbeitungszeitraum erweitert werden.

 

Durchrechnung

Diverse Kollektivverträge sehen unterschiedliche Durchrechenmodelle vor, welche Durchrechnungszeiträume von 8 bis 52 Wochen vorsehen.

 

4-Tage-Woche

Eine 4-Tage-Woche liegt vor, wenn die gesamte Wochenarbeitszeit regelmäßig auf vier Tage verteilt wird und dabei die tägliche Normalarbeitszeit auf 10 Stunden ausgedehnt wird, ohne dass Überstunden anfallen. 

Keine Wirksamkeitsvoraussetzung für den Abschluss einer 4-Tage-Woche Vereinbarung ist es, dass die Arbeitstage zusammenhängend sein müssen. Zusammenhängende Vier-Tage-Wochen sind weiterhin zulässig, zB Montag bis Donnerstag, jedoch keinesfalls verpflichtend. Zulässig sind auch 4-Tage-Wochen mit freien Tagen dazwischen, also zB Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag.

Formelle Voraussetzung für den Abschluss einer solchen Vereinbarung ist bei Bestehen eines Betriebsrates der Abschluss einer Betriebsvereinbarung. 

Besteht kein Betriebsrat kann die 4-Tage-Woche auch mittels schriftlicher Einzelvereinbarung mit jedem einzelnen Arbeitnehmer abgeschlossen werden. 

Durch Überstunden kann die Höchstarbeitszeit bei der 4-Tage-Woche auf 12 Stunden ausgedehnt werden. In Betrieben mit zuständigem Betriebsrat ist darüber eine Betriebsvereinbarung zu treffen. 

Ist im Betrieb kein Betriebsrat gewählt, ist die Ausdehnung der Tagesarbeitszeit durch Überstunden auf 12 Stunden nur zulässig, wenn
- darüber mit dem einzelnen Arbeitnehmer eine Vereinbarung getroffen wurde und
- die arbeitsmedizinische Unbedenklichkeit dieser zusätzlichen Überstunden für die betreffenden Tätigkeiten durch einen Arbeitsmediziner festgestellt wurde.

 

Schichtarbeit

Schichtarbeit liegt vor, wenn ein Arbeitsplatz an einem Arbeitstag von mehreren einander abwechselnden Arbeitnehmern eingenommen wird bzw wenn Arbeitsgruppen in bestimmten Betriebsabteilungen einander zeitlich nachfolgend ablösen. Überlappende Arbeitszeiten stellen Schichtarbeit dar, wenn es sich um geringe Überlappungen handelt. Das Grundmerkmal der Schichtarbeit, dass sich mehrere Arbeitnehmer auf einem Arbeitsplatz – wenn auch nicht nahtlos – abwechseln, muss jedenfalls gegeben sein.

Beispiel

In einem Betrieb wird von 6.00 bis 14.00 Uhr und von 12.00 bis 20.00 Uhr geschichtet. Die Überlappungen im Zeitraum 12.00 bis 14.00 Uhr sind nicht schädlich, es liegt trotzdem Schichtarbeit vor.

 

Schichtplan

Bei Schichtarbeit muss ein Schichtplan erstellt werden, der die Normalarbeitszeit von Vornherein festlegt, doch muss die Normalarbeitszeit erst im Durchschnitt eines Schichtturnus erreicht werden. Schichtturnus ist jener Zeitraum, in welchem sich der Rhythmus der Arbeitszeit für den einzelnen Arbeitnehmer jeweils wiederholt. Nach Ablauf eines Turnus beginnt dieser wieder von vorne zu laufen.

Beispiel

Woche 1: Montag bis Freitag

Arbeitnehmer A arbeitet von 6 bis 14 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer B arbeitet von 14 bis 22 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer C arbeitet von 22 bis 6 Uhr, inklusive Ruhepause. Samstag, Sonntag: Wochenendruhe

Woche 2: Montag bis Freitag

Arbeitnehmer A arbeitet von 14 Uhr bis 22 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer B arbeitet von 22 Uhr bis 6 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer C arbeitet von 6 Uhr bis 14 Uhr, inklusive Ruhepause. Samstag, Sonntag: Wochenendruhe

Woche 3: Montag bis Freitag

Arbeitnehmer A arbeitet von 22 Uhr bis 6 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer B arbeitet von 6 Uhr bis 14 Uhr, inklusive Ruhepause. Arbeitnehmer C arbeitet von 14 Uhr bis 22 Uhr, inklusive Ruhepause. Samstag, Sonntag: Wochenendruhe

Normalarbeitszeit

Bei Schichtarbeit darf die tägliche Normalarbeitszeit 9 Stunden und die wöchentliche Normalarbeitszeit 50 Stunden nicht übersteigen. Der Kollektivvertrag kann allerdings abweichende Regelungen treffen.

In Verbindung mit einem Schichtwechsel ist die Ausdehnung der Normalarbeitszeit auf 12 Stunden zulässig. Weiters kann mit Betriebsvereinbarung bei vollkontinuierlicher Schicht, die tägliche Normalarbeitszeit am Wochenende auf 12 Stunden erweitert werden.

Wochenend- und Feiertagsarbeit

Vollkontinuierliche Schicht

bedeutet, dass die mehrschichtige Arbeitsweise sowohl tageweise als auch wochenweise 24 Stunden, also rund um die Uhr, durchläuft.

Teilkontinuierliche Schicht

bedeutet, dass die mehrschichtige Arbeitsweise zwar tageweise 24 Stunden durchgeht, jedoch wochenweise unterbrochen wird.

Einfache Schicht

bedeutet, dass die mehrschichtige Arbeitsweise sowohl tageweise als auch wochenweise unterbrochen wird.

 

Für Fragen zu den Arbeitszeitmodellen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.