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Wissenswertes zur Arbeitszeit: Arbeitszeitmodell "Gleitzeit" (Teil 4)

News vom 23.9.2016

Im vierten Teil unserer Serie zur Arbeitszeit beschäftigen wir uns mit den Arbeitszeitmodell "Gleitzeit".

Gleitzeit

Gleitzeit bedeutet, dass der Arbeitnehmer den Beginn und das Ende seiner täglichen Normalarbeitszeit innerhalb eines zeitlichen Rahmens frei gestalten kann. Die Gleitzeit bedarf keiner kollektivvertraglichen Ermächtigung und ist in Betrieben mit Betriebsrat mittels Betriebsvereinbarung zu vereinbaren. In Betrieben ohne Betriebsrat bedarf die Gleitzeit einer Einzelvereinbarung mit jedem Arbeitnehmer. Wesensmerkmal der Gleitzeitvereinbarung ist, dass die Dauer der Normalarbeitszeit auf 10 Stunden pro Tag und 50 Stunden pro Woche ausgedehnt werden kann. Damit steht einer Gleitzeitvereinbarung eine Bandbreite von 8 – 10 Stunden pro Tag und 40 bis 50 Stunden pro Woche offen.

Je nach Vereinbarung spricht man daher von „großem“ oder „kleinem“ Gleitzeitmodell.

Bei der großen Gleitzeit entspricht die Normalarbeitszeit der Gesamtarbeitszeit. Die Normalarbeitszeit wird während der Gleitzeitperiode mit 10 Stunden täglich und 50 Stunden wöchentlich festgelegt.

Beim kleinen Gleitzeitmodell wird die Normalarbeitszeit unter der Gesamtarbeitszeit vereinbart, zB 9 Stunden pro Tag und 45 Stunden pro Woche.

Die Vorteile einer Gleitzeitvereinbarung für den Arbeitgeber sind, dass eine anlassbezogene Flexibilität und damit eine laufende Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse im Betrieb möglich sind. Weiters können durch eine Gleitzeitvereinbarung Überstunden- und Mehrarbeitszuschläge vermieden werden.

Arbeitnehmer erhalten durch eine Gleitzeitvereinbarung ein hohes Maß an Selbsteinteilungsrechten.

 

Die zwingenden Vereinbarungspunkte

Dauer der Gleitzeitperiode

Gleitzeitperiode ist jener Durchrechnungszeitraum, in welchem im Durchschnitt die Normalarbeitszeit zuzüglich der Stundenanzahl, die in die nächste Periode übertragen werden kann, nicht überschritten werden sollte. Die Dauer dieses Zeitraums ist gesetzlich nicht begrenzt. Dennoch ist bei sehr langen Gleitzeitperioden zu bedenken, dass bei Beendigung des Dienstverhältnisses alle Gutstunden mit einem 50%igen Zuschlag zu vergüten sind. Empfehlenswert erscheinen daher Perioden von 3 bis 12 Monaten.

Gleitzeitrahmen

Dabei handelt es sich um jenen Zeitraum, innerhalb dessen der Arbeitnehmer Beginn und Ende seiner täglichen Arbeitszeit selbst bestimmen kann. Arbeitet ein Arbeitnehmer außerhalb des Gleitzeitrahmens, stellen diese Stunden Überstunden dar.

Bei der Festlegung des Gleitzeitrahmens sind daher die Vorteile eines großzügigen Rahmens, mit eventuellen Nachteilen einer frei gewählten Arbeitszeit im Hinblick auf effiziente Kundebetreuung etc abzuwägen.

Der Gleitzeitrahmen muss mehr Zeitvolumen als die zu erbringende Normalarbeitszeit umfassen, um dem Arbeitnehmer auch tatsächlich eine Gleitmöglichkeit zu geben.

Übertragbeikeitsstunden

Die Gleitzeitvereinbarung muss Regelungen darüber enthalten, welches Ausmaß an Zeitschulden und Zeitguthaben in die nächste Gleitzeitperiode übertragen werden können.

Es kann jedoch auch vereinbart werden, dass keine Stunden in die nächste Periode „mitgenommen“ werden können, was zur Folge hat, dass auch keine Übertragbarkeitsstunden vereinbart werden müssen. Sind Übertragungsmöglichkeiten jedoch gewünscht, muss die Übertragbarkeit jedenfalls vereinbart werden.

a) Zeitguthaben

Werden Plusstunden in die nächste Gleitzeitperiode übertragen, bleiben diese Normalarbeitsstunden mit einem Wert von 1:1. Eine Obergrenze für Übertragbarkeitsstunden gibt es nicht. Üblich ist die Festlegung der Übertragbarkeitsstunden im Ausmaß einer wöchentlichen Normalarbeitszeit. Es kann jedoch sowohl ein höheres als auch ein niedrigeres Ausmaß vereinbart werden. Von zu hohen Übertragbarkeitssalden ist jedenfalls abzuraten.

b) Zeitschulden

Die Übertragung von Zeitschulden in die nächste Periode erhöht das Selbsteinteilungsrecht des Arbeitnehmers. Eine bei Ende des Dienstverhältnisses bestehende Zeitschuld, kann vom Arbeitnehmer zurückgefordert werden.

Ausmaß und Lage der fiktiven Normalarbeitzeit

Die Festlegung einer fiktiven Normalarbeitszeit dient der Bewertung von gerechtfertigten Abwesenheitszeiten, zB Feiertage, Arbeitsunfähigkeiten infolge Krankheit, Unglücksfall, sonstige Dienstverhinderungsgründe aus wichtigen in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen, Dienstverhinderungen durch Umstände auf Seiten des Arbeitgebers.

 

Weitere mögliche Vereinbarungspunkte

Kernzeit

Die Vereinbarung einer Kernzeit verpflichtet den Arbeitnehmer entweder zu einer bestimmten Zeit (Uhrzeit-Kernzeit) oder eine bestimmte Dauer (Mindestzeiten-Kernzeit) zu arbeiten. Bei der Uhrzeit-Kernzeit wird ein zeitlicher Rahmen festgelegt, in welchem der Arbeitnehmer seine Arbeitspflicht jedenfalls erfüllen muss. 

Bei der Mindestzeiten Kernzeit, muss eine Mindestarbeitszeit pro Tag eingehalten werden.

Besetzungszeit

Besetzungszeit bedeutet, dass sich der Arbeitnehmer mit seinen Arbeitskollegen koordinieren muss, um sicherzustellen, dass eine Abteilung/Arbeitsplatz zu bestimmten Zeiten ausreichend besetzt ist.

Ampelkonto

Möchte der Arbeitgeber das Entstehen von zu hohen Zeitguthaben vermeiden, besteht die Möglichkeit ein sogenanntes „Ampelkonto“ einzuführen. Ein Ampelkonto lässt ab einer bestimmten Anzahl von Plusstunden keinen weiteren Aufbau von Guthaben zu.

Schlussbestimmungen

In den Schlussbestimmungen wird die zeitliche Dauer der Gleitzeitvereinbarung festgelegt. Die Gleitzeitvereinbarung kann befristet oder unbefristet abgeschlossen werden.

Sie wollen mehr Wissenswertes zur Arbeitszeit erfahren? Lesen Sie auch die vorangegangenen Teile:

Teil 1: Begriff der Arbeitszeit
Teil 2: Die Normalarbeitszeit
Teil 3: Arbeitszeitmodelle

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.