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8 Fragen zum PKW-Sachbezug

News vom 24.10.2016

In der Praxis tauchen stets Fragen zum PKW-Sachbezug auf. Wir liefern Ihnen die Antworten auf die Top-8 Fragen zum PKW-Sachbezug.

Frage 1

Ein Angestellter fährt mit einem Firmen-KFZ zwischen zwei Arbeitsstätten hin und her. Eine dieser Arbeitsstätten ist ident mit dem Wohnort des Arbeitnehmers. Handelt es sich hierbei um Privatfahrten, die einen Sachbezug auslösen?

Es liegt eine Fahrt zwischen der Wohnung - Arbeitsstätte vor, daher ist ein Sachbezug anzusetzen.

Frage 2

Ein geschäftsführender Gesellschafter ist zu 60 % an der GmbH beteiligt. Er bekommt ein Kraftfahrzeug der Ges.m.b.H. zur Privatnutzung zur Verfügung gestellt. Ist dafür ein Sachbezug anzusetzen, wenn ja, für welche Abgaben?

Für Zwecke der Einkommensteuererklärung sowie für Zwecke des DB, des DZ und der KommSt hat eine Sachbezugshinzurechnung zu erfolgen (keine Lohnsteuer, keine SV, kein BV-Beitrag durch Arbeitgeber). 

Laut VwGH Rechtsprechung ist die Sachbezugswerte-Verordnung nicht heranzuziehen, sondern müssen die „tatsächlichen Vorteile“ ermittelt werden.

Die Finanzverwaltung räumt allerdings für Zwecke DB/DZ/KommSt ein Wahlrecht ein: 

So kann einerseits die Sachbezugswerte-VO analog zu den steuerlichen Dienstnehmern herangezogen werden oder aber es werden die gesamten in Bezug auf den PKW entstandenen Kosten (ohne Ausklammerung von irgendwelchen betrieblichen oder privaten Fahrten und ohne Ansatz der Luxustangente; damit auch inklusive der Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte und retour) angesetzt.

Folgt man der Rechtsprechung des VwGH sowie des BFG (BFG RV/7101184/2013 vom 22. August 2014), so entsprechen beide vom BMF angebotenen Optionen NICHT der gegenwärtigen Rechtslage. Zuletzt meinte das BFG beispielsweise, dass der Ansatz von 20 % der gesamten Kosten für die Zwecke des DB, DZ und der KommSt ein tauglicher Schätzungsansatz wäre.

Frage 3

Ein Arbeitnehmer erhält von der Arbeitgeberin ein Kraftfahrzeug für Privatnutzungszwecke zur Verfügung gestellt. Dabei muss er genau jene Kosten ersetzen, die kalkulatorisch der Arbeitgeberin durch die Privatnutzung entstehen. Muss nun ein Sachbezug angesetzt werden?

Der Sachbezug ist nach den Regelungen der Sachbezugswerte-Verordnung zu ermitteln. Von diesem Sachbezug wiederum ist der vom Arbeitnehmer entrichtete Kostenanteil in Abzug zu bringen.

Frage 4

Kann je nach Ausmaß der Privatnutzung zwischen halben und vollem Sachbezug in einzelnen Monaten gewählt werden? Reicht zur Nachweisführung hinsichtlich der Privatfahrten ein Tagesbericht aus, dem die Anzahl der Kunden zu entnehmen ist, die von Arbeitnehmer im Zuge der Dienstreisen besucht wurden?

Der KFZ-Sachbezugswert geht von einer Jahresbetrachtung aus. Unterschiedliche Kilometerleistungen für Privatfahrten in den einzelnen Kalendermonaten sind für sich alleine unbeachtlich.

Es ist deshalb aber nicht zulässig, den halben Sachbezugswert nur für einzelne Lohnzahlungszeiträume des Kalenderjahrs in Anspruch zu nehmen.

Tagesberichte, aus denen sich lediglich eine Anzahl von Kunden, keineswegs aber die tatsächlich gewählte und zurückgelegte Fahrtroute entnehmen lässt, sind als Nachweis für den halben Sachbezug nicht ausreichend.

Frage 5

Welche Nachweise müssen in Bezug auf eine mögliche (unterbliebene bzw sehr geringe) Privatnutzung eines Firmen-KFZ erbracht werden?

Für die Ermittlung der privat gefahrenen Kilometer dient als formale Voraussetzung entweder ein Fahrtenbuch oder ein sonstiger geeigneter Nachweis. Um die erforderlichen Tatsachen einwandfrei feststellen zu können, müssen die Aufschreibungen fortlaufend und übersichtlich geführt sein, Datum, Kilometerstrecke, Ausgangs- und Zielpunkt sowie Zweck jeder einzelnen Fahrt klar angegeben sein.

Frage 6

Der Außendienstmitarbeiter eines Unternehmens sucht den Arbeitgeber an der Hauptbetriebsstätte mit einem Firmen-KFZ auf,
- um Muster und Korrespondenz abzugeben ODER
- um Besprechungen mit ihm abzuhalten.

In welchem Fall wird ein KFZ-Sachbezug ausgelöst?

Während das Aufsuchen der Betriebsstätte, um etwas abzuholen oder um etwas vorbeizubringen, keinen Sachbezug auslöst, ist das Aufsuchen der Betriebsstätte, um Besprechungen mit ihm abzuhalten, sachbezugsauslösend.

Frage 7

Ist es denkbar, dass im Zuge des Erwerbes eines gebrauchten KFZ die KFZ-Sachbezugsbewertung von den tatsächlichen (niedrigen) Anschaffungskosten erfolgt?

Nach § 4 Abs. 4 der Sachbezugsbewertungsverordnung ist bei Gebrauchtfahrzeugen für die Sachbezugsbewertung der Listenpreis im Zeitpunkt der erstmaligen Zulassung des Fahrzeuges maßgebend. 

Sonderausstattungen bleiben dabei unberücksichtigt. 

Anstelle dieses Betrages können die nachgewiesenen tatsächlichen Anschaffungskosten (einschließlich allfälliger Sonderausstattungen und Rabatte) im Sinne des Abs. 1 der Verordnung des ersten Erwerbes des Kraftfahrzeuges zugrunde gelegt werden. 

Mit dem Ansatz eines entsprechenden Sachbezugswertes wird der Vorteil erfasst, der darin besteht, dass sich der Dienstnehmer jenen Aufwand erspart, der ihm erwachsen würde, wenn er für die Kosten eines vergleichbaren Kraftfahrzeuges aus Eigenem aufkommen müsste. Im Hinblick auf den klaren Wortlaut der Verordnung ist hinsichtlich der Höhe des Sachbezuges vom ursprünglichen Neuwert des gebrauchten Fahrzeuges auszugehen.

Den Ansatz der tatsächlichen Anschaffungskosten des Kraftfahrzeuges im gebrauchten Zustand sieht die Verordnung nicht vor. 

Frage 8

Was sollte man beim Führen eines Fahrtenbuchs beachten?

Die Anforderungen an die Qualität der Aufzeichnungen steigen mit der Anzahl der gefahrenen Kilometer.

Folgende „Pannen im Fahrtenbuch“ führten dazu, dass dem Begehren auf Feststellung des „halben KFZ-Sachbezuges“ nicht entsprochen werden konnte:

- Es wurde am Morgen eines Arbeitstages und zu Dienstende der betreffende Kilometerstand notiert, wobei sämtliche Kilometerstände wie auch die gefahrenen dienstlichen und privaten Kilometer stets auf ganze Zehn oder Hundert gerundet wurden.

- Der Steuerpflichtige benannte zwar den jeweiligen Start- und den Zielort des Tages, die an diesem Tag aber noch angefahrenen "Zwischenziele" führte er nicht an, sodass die detaillierten Aufzeichnungen hinsichtlich der konkreten, einzelnen Fahrtstrecke zwischen den einzelnen Kunden fehlten.

- Es wurden weder die Namen, der Zweck noch Anschriften der Kunden aufgezeichnet, sodass eine Überprüfung im Sinne der obigen Ausführungen nicht möglich war.

- "Fahrtenbücher" ohne konkreten Kilometerstand und ohne Bezeichnung der konkreten Fahrtstrecke (nur großräumige Ortsangaben) und dem Zweck der Fahrten sind letztlich weder für den Arbeitgeber, aber schon gar nicht für die Abgabenbehörde nachprüfbar, weil ihnen die wichtigsten Angaben für eine Kontrolle etwa durch Vergleiche mit "Pickerlberichten", Reparatur- und Servicerechnungen oder weiteren Unterlagen aus dem Betrieb des Arbeitgebers sowie durch Routenplaner fehlen.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.