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HL Med-Line: Steuer-Service bei KFZ

News vom 1.12.2016

Das Kfz unterliegt im Einkommensteuerrecht vielen speziellen Regelungen. In unserer Serie HL-Med Line befassen wir uns mit steuerlichen Besonderheiten von Ärzten. Dieses Mal im Fokus: das Auto.

Betriebs- oder Privatvermögen

Erst durch die ausschließlich oder zumindest überwiegende betriebliche Nutzung wird ein Auto zum Betriebsvermögen. Das heißt, dass bezogen auf die Jahreskilometer mehr als 50 % betrieblich gefahren werden müssen. Nachweis? Fahrtenbuch! Nur bei Betriebsvermögen sind alle Kosten auch Betriebsausgaben, welche gegebenenfalls um einen Privatanteil zu kürzen sind. Zählt ein Auto zum Privatvermögen und wird es (untergeordnet) betrieblich eingesetzt, kann Kilometergeld (42 ct pro Kilometer) als Betriebsausgabe angesetzt werden. Nachweis? Fahrtenbuch!

 

DISKRIMINIERUNG GIBT ES AUCH IM STEUERRECHT

Zum Betriebsvermögen zählende Pkw und Kombi sind steuerlich eindeutig diskriminiert. Die Anschaffungskosten müssen steuerlich auf 8 Jahre verteilt werden. Anschaffungskosten über 40 tEUR sind gar nicht abzugsfähig. Ebenso sind alle wertabhängigen Kosten, zB die Kaskoversicherung, in jenem verhältnismäßigen Ausmaß zu kürzen, wie das Auto über 40 tEUR kostet. 

Beispiel: Das Auto kostet 60 tEUR, die Kaskoversicherung beläuft sich auf 1,5 tEUR pro Jahr. Wegen der Höhe der Anschaffungskosten wird eine Angemessenheitsprüfung ausgelöst. Abschreibbar sind pro Jahr (nur) 5 tEUR (40 tEUR dividiert durch 8), von der Kaskoversicherung sind nur 1 tEUR abzugsfähig.

Bei Gebrauchtautos bemisst sich die Abschreibung an der Restnutzungsdauer. Ist das Auto zB 3 Jahre alt, ist als Restnutzungsdauer 5 Jahre anzunehmen. Auch bei Gebrauchtfahrzeugen ist eine Angemessenheitsprüfung durchzuführen.

 

Tipp:

Bei über 60 Monate (5 Jahre) alten Gebrauchtfahrzeugen entfällt die Angemessenheitsprüfung. Insbesondere Premiumklasse-Autos werden so steuerlich interessant.

Beispiel: Ein Auto mit Neuanschaffungskosten von 120 tEUR und Erstzulassung Jänner 2012 wird im Februar 2016 (also 4 Jahre alt) um 40 tEUR gekauft. Nach der Angemessenheitsprüfung ist nur ein Drittel (40 tEUR bezogen auf 120 tEUR) abzugsfähig. Von der Abschreibung von 10.000 (40 tEUR dividiert durch 4) sind daher nur 3.333 abzugsfähig! Wird das gleiche Auto mit einem Alter von mehr als 60 Monaten gekauft, können 13.333 (40 tEUR dividiert durch 3 Jahre) als Abschreibung angesetzt werden.

All das gilt grundsätzlich auch für E-Autos.

Minivans und Klein-Lkw

Typische Minivans und als Lkw typisierte Fahrzeuge (siehe Liste vorsteuerabzugsberechtigter Fahrzeuge unter www.bmf.gv.at) entgehen den Diskriminierungen. Das heißt, es gibt keine Einschränkungen bei Kaufpreis und Nutzungsdauer.

Beispiel: Ein Minivan, der 60 tEUR kostet, kann mit jährlich 12 tEUR abgeschrieben werden (60 tEUR dividiert durch 5 Jahre).

E-Autos

Ein echtes Goodie ergibt sich, wenn ein E-Auto einem Dienstnehmer als Teil seines Gesamtbezugs zur Verfügung gestellt wird. Der (Sach-)Bezugsteil, der auf das Auto entfällt, ist steuer- und sozialversicherungsfrei! Auf der anderen Seite hat der Dienstgeber den vollen Betriebsausgabenabzug – und das ohne Lohnnebenkosten! So viel netto gibt’s selten vom Brutto.

Tipp: Diese Möglichkeit besteht auch gegenüber angestellten Familienangehörigen. Solange die Höhe der Gesamtvergütung daher fremdüblich ist, kann das Familien-E-Auto im Betrieb angeschafft werden, ohne dass es steuer und sv-pflichtige Bezüge auslöst.

 

Kauf oder Leasing?

Zwischen Kauf und Finanzierungsleasing gibt es aus steuerlicher Sicht keinen Unterschied. Die Frage, ob man das Auto über Leasing schneller (als auf 8 Jahre) abschreiben kann, ist grundsätzlich zu verneinen. Vereinfacht gesagt, werden gegenüber einer Abschreibung höhere Leasingraten nur mit dem fiktiven Abschreibungswert anerkannt. Auch die Angemessenheitsprüfung ist anzustellen und kürzt gegebenenfalls die Leasingrate zusätzlich.

Beim sogenannten Operating-Leasing handelt es sich wirtschaftlich um eine Miete. In diesem Fall sind die Mietzahlungen ungekürzt abzugsfähig, soweit es die Nutzungsdauer betrifft. Die Angemessenheitsprüfung ist anzustellen und entfällt nur bei kurzfristiger, bis 21 Tage währender, Mietdauer.

 

BREAKING NEWS

Ab 2017 sollen die Umsätze aus ärztlichen Leistungen nicht mehr für die Berechnung der Kleinunternehmergrenze herangezogen werden. Damit können Umsätze aus nicht-ärztlichen Leistungen von selbständigen Ärzten bis zu einem Gesamtbetrag von 30.000 Euro jährlich ebenfalls steuerfrei belassen werden. Die Neuregelung ist insbesondere immer dann attraktiv, wenn die Kunden Letztverbraucher bzw nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind.

Beispiel: Ein niedergelassener praktischer Arzt mit einem Umsatz von 200.000 Euro verkauft zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel um 30.000 Euro jährlich. Bislang waren die Umsätze aus der Verkaufstätigkeit (zwingend) umsatzsteuerpflichtig. Ab 2017 wäre der Umsatz umsatzsteuerfrei. Die Umsätze aus nicht-ärztlichen Tätigkeiten werden erst wieder bei Überschreiten von 30.000 Euro (im Einzelfall sogar mehr) umsatzsteuerpflichtig.

Beispiele für andere (nicht-ärztliche) Tätigkeiten: Maßnahmen der Empfängnisverhütung, bestimmte Gutachten, schriftstellerische und Vortragstätigkeiten, Wohnungsvermietung, aber auch die Übergabe der Patientendatei im Rahmen der Praxisveräußerung.

Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Betroffene müssen aber gegebenenfalls bereits mit Beginn 2017 die Organisation (zB das Belegwesen) anpassen.

Erfahren sie mehr über unsere HL Med-Line!