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Der vorzeitige Austritt

News vom 14.3.2017

Von einer vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses spricht man, wenn entweder der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis - nach Ablauf der Probezeit - ohne Einhaltung der gesetzlichen (oder kollektiv- bzw einzelvertraglich vereinbarten) Kündigungsfristen und -termine auflöst.

Die Auflösungserklärung kann dabei mündlich oder schriftlich, aber auch schlüssig erklärt werden. An eine schlüssige Austrittserklärung sind strenge Anforderungen zu. Je nachdem, ob ein gesetzlich vorgesehener Grund vorliegt, der den Vertragspartner berechtigt, das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung aufzulösen, kann die Beendigung gerechtfertigt sein oder nicht. Daran knüpfen sich unterschiedliche Rechtsfolgen.

Beendet der Arbeitnehmer (AN) das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung von Kündigungsfristen und/oder -terminen, spricht man von einem vorzeitigen Austritt.

Der Arbeitnehmer ist berechtigt, das Arbeitsverhältnis sofort zu beenden, wenn ein so wichtiger Grund vorliegt, dass ihm die Einhaltung der Kündigungsfrist nicht zumutbar ist. Die Gründe, die den AN zum vorzeitigen Austritt berechtigen, sind für Angestellte in § 26 AngG sowie für Arbeiter in § 82a GewO 1859 angeführt.

AUSTRITTSGRÜNDE
ANGESTELLTE 

AUSTRITTSGRÜNDE
ARBEITER 
Unfähigkeit die Tätigkeit ohne Schaden für die Gesundheit weiterzuführen  Unfähigkeit die Tätigkeit ohne Schaden für die Gesundheit weiterzuführen 
Vorenthalten des gebührenden Entgelts durch den Arbeitgeber  Vorenthalten des gebührenden Entgelts durch den Arbeitgeber
Wesentliche Verletzung der Vertragsbestimmungen durch den Arbeitgeber   Wesentliche Verletzung der Vertragsbestimmungen durch den Arbeitgeber  
Tätlichkeiten, Verletzung der Sittlichkeit oder erhebliche Ehrverletzung des Arbeitnehmers oder seiner Angehörigen durch den Arbeitgeber  Verleitung des Arbeitnehmers oder seiner Angehörigen zu gesetzwidrigen oder unsittlichen Handlungen durch den Arbeitgeber 
Verweigerung des Schutzes des Arbeitnehmers gegen Tätlichkeiten, Verletzung der Sittlichkeit oder erhebliche Ehrverletzung anderer Arbeitnehmer Tätliche Misshandlung oder Ehrbeleidigung des Arbeitnehmers oder seiner Angehörigen durch den Arbeitgeber

Liegt kein im Gesetz genannter Grund vor, ist der Austritt unberechtigt. Der Arbeitnehmer verzichtet in diesem Fall auf Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis.

Hinweis

Allerdings darf nicht in jedem Fall sofort, wenn ein Arbeitnehmer den Arbeitsplatz unbefugt verlässt oder ohne Angabe von Gründen nicht zur Arbeit erscheint, ein unberechtigter vorzeitiger Austritt angenommen werden.

Schadenersatzanspruch des Arbeitgebers bei unberechtigtem vorzeitigem Austritt

Der Arbeitgeber kann im Falle eines unberechtigten vorzeitigen Austritts Schadenersatzansprüche gegenüber dem Arbeitnehmer geltend machen. Voraussetzung ist, dass beim Arbeitgeber tatsächlich ein Schaden eingetreten ist und dieser vom Arbeitnehmer verschuldet wurde. Denkbar ist ein Schadenersatzanspruch zB bei Austritt eines für die Personalabrechnung verantwortlichen Mitarbeiters 2 Tage vor Abschluss der monatlichen Gehaltsabrechnung, wodurch der Arbeitgeber gezwungen ist, einen Steuerberater mit der Abrechnung der Mitarbeiter zu beauftragen.

Kosten für die Suche eines Nachfolgers (Inserate, Kosten eines Personalberaters) können nicht im Wege des Schadenersatzes eingefordert werden, da diese auch im Falle einer ordnungsgemäßen Kündigung angefallen wären.

Testen Sie Ihr Wissen!

Handelt es sich bei nachstehenden Sachverhalten um einen vorzeitigen Austritt oder lediglich um eine Zornreaktion, an welche keine arbeitsrechtlich relevanten Konsequenzen geknüpft werden dürfen? Hier gelangen Sie zum Wissens-Quiz.

Ihr Tipp der HL Personalmanagement-Abteilung

Vereinbaren Sie bereits im Dienstvertrag eine Konventionalstrafe für den Fall eines vorzeitigen Austritts. Diese Vereinbarung erspart Ihnen den Nachweis eines tatsächlichen Schadens. Wir unterstützen wir Sie bei den entsprechenden Formulierungsvorschlägen.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich unter der Telefonnummer 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at zur Verfügung.