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Verlustersatz– NOMEN EST OMEN?

News vom 19.12.2020

Als ergänzende Maßnahme, um den Unternehmen Liquidität zur Verfügung zu stellen, kann nun ein so genannter Verlustersatz beantragt werden. Diese Förderung stellt keine zusätzliche Unterstützung dar, sondern kann als Alternative zum Fixkostenzuschuss 800.000 (FKZ 800) gewählt werden.

Die Voraussetzungen sind ident zum Fixkostenzuschuss, daher werden nachstehend nur die wesentlichen Punkte angeführt. Das Unternehmen

  • hat seinen Sitz oder eine Betriebsstätte in Österreich;
  • übt eine operative Tätigkeit in Österreich aus;
  • erleidet einen durch die Ausbreitung von COVID-19 verursachten Umsatzausfall von mindestens 30%;
  • der Verlustersatz muss mindestens 500 Euro betragen;
  • hat im Rahmen einer Gesamtstrategie schadensmindernde Maßnahmen gesetzt, um die durch den Verlustersatz zu deckenden Verluste zu reduzieren.
  • Zum Zeitpunkt der Antragstellung darf kein Insolvenzverfahren anhängig sein.
  • Das Unternehmen darf sich am 31. Dezember 2019 oder bei einem abweichenden Wirtschaftsjahr am Bilanzstichtag des letzten Wirtschaftsjahres, das vor dem 31. Dezember 2019 endet, nicht in Schwierigkeiten befunden haben.
    (Schwierigkeiten lt. Definition der Verordnung (EU) Nr. 651/2014: Voraussetzungen für einen Gläubiger-Insolvenzantrag liegen vor, bei GmbH Verlust von mehr als die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals)

Unternehmen, die Zahlungen aus dem Non-Profit-Organisationen-Unterstützungsfonds beziehen und neu gegründete Unternehmen, die vor dem 16. September 2020 noch keine Umsätze (Waren- und/oder Leistungserlöse) erzielt haben, können keinen Antrag stellen.

Als Ausschlussgründe kommen folgende Tatbestände in Betracht:

  • Beim Unternehmen darf in den letzten drei veranlagten Jahren kein rechtskräftig festgestellter Missbrauch im Sinne des § 22 der Bundesabgabenordnung (BAO), vorliegen, der zu einer Änderung der steuerlichen Bemessungsgrundlage von mindestens 100.000 Euro im jeweiligen Veranlagungszeitraum geführt hat.
  • Das Unternehmen darf in den letzten fünf veranlagten Jahren nicht mit einem Betrag von insgesamt mehr als 100.000 Euro vom Abzugsverbot des § 12 Abs 1 Z 10 des Körperschaftssteuergesetzes oder von den Bestimmungen des § 10a KStG 1988 (Hinzurechnungsbesteuerung, Methodenwechsel) betroffen gewesen sein.
  • Das Unternehmen darf nicht einen Sitz oder eine Niederlassung in einem Staat haben, der in der EU-Liste der nicht kooperativen Länder und Gebiete für Steuerzwecke genannt ist und an dem Sitz oder der Niederlassung in diesem Staat im ersten nach dem 31. Dezember 2018 beginnenden Wirtschaftsjahr überwiegend Passiveinkünfte im Sinne des § 10a Abs 2 KStG 1988 erzielen.
  • Über den Antragsteller oder dessen geschäftsführende Organe in Ausübung ihrer Organfunktion darf in den letzten fünf Jahren vor der Antragstellung keine rechtskräftige Finanzstrafe oder entsprechende Verbandsgeldbuße aufgrund von Vorsatz verhängt worden sein

Berechnung des Verlustersatzes

Der Umsatzausfall wird berechnet, indem die Differenz zwischen der Summe der Umsätze in den antragsgegenständlichen Betrachtungszeiträumen und der Summe der Umsätze in den jeweiligen Vergleichszeiträumen des Jahres 2019 ermittelt wird.

Der Verlust errechnet sich aus der Differenz der Erträge des Betrachtungszeitraum und den unmittelbaren und mittelbaren zusammenhängenden Aufwendungen des Unternehmens.

Erträge sind:

  • Umsätze gemäß den für die Einkommens- oder Körperschaftsteuerveranlagung maßgebenden Waren- und/oder Leistungserlöse.
  • Bestandsveränderungen,
  • Aktivierte Eigenleistungen,
  • Sonstige betriebliche Erträge, ausgenommen Erträge aus dem Abgang von Anlagevermögen.

Aufwendungen sind:

  • abzugsfähige Betriebsausgaben gemäß § 4 Abs 4 EStG und § 7 Abs 2 KStG,
  • Zinsaufwand, der in den antragsgegenständlichen Betrachtungszeiträumen anfällt, sofern und soweit er den Zinsertrag übersteigt.

Nicht als Aufwendungen gelten:

  • Außerplanmäßige Abschreibungen (einmalige Verluste durch Wertminderungen) und
  • Aufwendungen aus dem Abgang von Anlagevermögen.

Der so ermittelte Verlust ist um Zuwendungen zu kürzen, die dem Unternehmen bereits ausbezahlt oder verbindlich zugesagt wurden, soweit sie in den ausgewählten Betrachtungszeitraum fallen:

  • Beteiligungserträge (Ausschüttungen, Dividenden), wenn diese mehr als die Hälfte der in den antragsgegenständlichen Betrachtungszeiträumen betragen;
  • Versicherungsleistungen;
  • Zuwendungen von Gebietskörperschaften: inkl. Lockdown-Umsatzersatz und FKZ 800;
  • Zuschüsse im Zusammenhang mit Kurzarbeit;
  • Entschädigungen nach dem Epidemiegesetz

Als geeignete Nachweise sind die Aufzeichnungen über Waren- und Leistungserlöse, die für steuerliche Zwecke geführt werden, heranzuziehen.

Betrachtungszeiträume

Der Verlustersatz kann für bis zu zehn Betrachtungszeiträume im Zeitraum von 16. September 2020 bis längstens 30. Juni 2021 beantragt werden. Die gewählten Betrachtungszeiträume müssen zeitlich zusammenhängen, mit Ausnahme einer Lücke aufgrund eines Umsatzersatzes.

  • Betrachtungszeitraum 1: 16. September 2020 bis 30. September 2020;
  • Betrachtungszeitraum 2: Oktober 2020;
  • Betrachtungszeitraum 3: November 2020;
  • Betrachtungszeitraum 4: Dezember 2020;
  • Betrachtungszeitraum 5: Jänner 2021;
  • Betrachtungszeitraum 6: Februar 2021;
  • Betrachtungszeitraum 7: März 2021;
  • Betrachtungszeitraum 8: April 2021;
  • Betrachtungszeitraum 9: Mai 2021;
  • Betrachtungszeitraum 10: Juni 2021.

Höhe des Verlustersatzes

Der Verlustersatz beträgt 90 % vom errechneten Verlust, wenn das Unternehmen weniger als 50 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz oder eine Bilanzsumme kleiner EUR 10 Mio hat.

Wenn das Unternehmen 50 oder mehr Mitarbeiter und einen Jahresumsatz oder eine Bilanzsumme größer EUR 10 Mio hat, stehen ihm 70% Verlustersatz zu. Die maximale Höhe ist pro Unternehmen mit 3 Mio Euro begrenzt.

Auszahlung & Beantragung des Verlustersatzes

Die Auszahlung des Verlustersatzes kann in zwei Tranchen beantragt werden:

Tranche 1:

  • kann ab 16. Dezember 2020, spätestens aber bis 30. Juni 2021 beantragt werden,
  • umfasst 70% des voraussichtlichen Verlustersatzes und
  • die Höhe des Umsatzausfalles sowie des Verlusts ist bestmöglich zu schätzen (Prognoserechnung)

Tranche 2:

  • Beantragung ab 1. Juli 2021, spätestens aber bis 31. Dezember 2021.
  • Der gesamte noch nicht ausbezahlte Verlustersatz kommt zur Auszahlung.

Bei Beantragung der Tranche II sind die Höhe des Umsatzausfalls sowie der Verluste durch einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Bilanzbuchhalter mittels einer gutachterlichen Stellungnahme bis 31. Dezember 2021 zu bestätigen (Endabrechnung) und der Antrag ist von diesem einzubringen.

Zusammenspiel Umsatzersatz und Verlustersatz

Falls ein Unternehmen einen Lockdown-Umsatzersatz für einen ganzen Monat in Anspruch nimmt (zB November oder Dezember), kann für diesen Monat kein Verlustersatz beantragt werden.

Sofern nur für Teile eines Monats ein Lockdown-Umsatzersatz in Anspruch genommen wird (Förderung ab 17 November bis 6. Dezember), kann für diesen Zeitraum ein Verlustersatz in Anspruch genommen werden, allerdings verringert sich der Verlust um den aliquoten Anteil.
Der Verlustersatz muss dann für diesen aliquotierten Teil im Anrechnungsfeld verlustmindernd angegeben werden.

Wird von einem beantragten Umsatzersatz zurücktreten und ein bereits bezogener Umsatzersatz zurückgezahlt, so kann ein Verlustersatz für diesen Betrachtungszeitraum beantragt werden.

Zusammenspiel Fixkostenzuschuss 800.000 und Verlustersatz

Ein Verlustersatz darf nicht gewährt werden, wenn der Antragsteller einen FKZ 800 in Anspruch nimmt. Sofern der Antragsteller vom FKZ 800 zurücktritt, und diesen zurückbezahlt, kann natürlich auch ein Verlustersatz beantragt werden.

Unser Tipp

Erstellen Sie rechtzeitig eine plausible Schätzung Ihrer Einnahmen, betreiben Sie aktiv Schadensminderung durch Kostenreduktion und kontaktieren Sie Ihren Steuerberater, dieser muss den Antrag für Sie einbringen.

Für Fragen unserer Klienten sind wir gerne in Graz und in Rosental telefonisch unter 0316 386001 0 bzw per Mail unter graz@hoferleitinger.at erreichbar. Klienten der Steuerberatung Feldbach erreichen uns unter der Telefonnummer 03152 4167 0 bzw per Mail unter office@stb-feldbach.at.

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